13 SEP 2009 General News Griechenland

Zweiter Tag, Zusammenfassung - World Athletics Final

Blanka Vlasic reacts after coming extremely close to breaking the world high jump record (Getty Images)Blanka Vlasic reacts after coming extremely close to breaking the world high jump record (Getty Images) © Copyright

 Als die letzte Stunde in der Geschichte des IAAF VTB Bank World Athletics Final (WAF) schlug, präsentierte sich die Leichtathletik in Thessaloniki mitreißend, unterhaltsam und hochklassig. Dafür sorgten zum Abschluss am Sonntagabend im wie tags zuvor mit rund 26.000 Zuschauern ausverkauften Kaftanzoglio-Stadion drei Athleten: Usain Bolt, Blanka Vlasic und überraschend Carmelita Jeter. Besser hätte der WAF-Abschied nicht inszeniert werden können – in einem herrlichen Leichtathletik-Stadion mit prima Atmosphäre und vielen Kindern sowie Jugendlichen unter den Zuschauern.

Noch bevor die US-Sprinterin Carmelita Jeter die zweitägige Veranstaltung mit einer sensationellen 100-m-Zeit von 10,67 Sekunden krönte und zur drittschnellsten Sprinterin aller Zeiten wurde, hatten Usain Bolt und Blanka Vlasic bei den Zuschauern sowohl mit Hochklassigkeit als auch Show für Begeisterung gesorgt.

Während sich der Sprint-Weltrekordler auf seinen 200-m-Start vorbereitete, fand er zwischendurch Zeit, auf der Videowand das Geschehen auf der anderen Seite des Stadions zu verfolgen. Usain Bolt beobachtete alle drei Sprünge von Blanka Vlasic, als sie sich an der Weltrekordhöhe von 2,10 m versuchte. Als die Kroatin, die zuvor 2,04 m auf Anhieb übersprungen und damit gewonnen hatte, den dritten Versuch knapp riss, fasste sich Usain Bolt an den Kopf und ärgerte sich, dass es für Blanka Vlasic nicht gereicht hatte.

Anschließend gewann der Jamaikaner souverän die 200 m. Obwohl er sichtlich nicht am Limit lief, reichte es immer noch für erstklassige 19,68 Sekunden. Das war zwar ein Stück langsamer als sein Berliner Weltrekord von 19,19 – jedoch immer noch schneller als zum Beispiel der frühere Weltrekord des Italieners Pietro Mennea. Er war 1979 19,72 gelaufen und
diese Marke hielt bis zu Michael Johnsons olympischem Finale 1996.

„Ich bin müde nach der langen Saison und deswegen nicht am Limit gelaufen. Ich wollte keine Verletzung riskieren“, erklärte Usain Bolt, der ebenso wie Blanka Vlasic die Saison in Thessaloniki beendete. Die ursprünglich geplanten Starts in Shanghai und Daegu sagte Bolt ab. Trotz ihrer starken Form dachte auch Blanka Vlasic nicht daran, sich nach dem WAF noch woanders am Weltrekord zu versuchen. „Ich bin sicher, dass ich die 2,10 Meter eines Tages springen werde, wenn ich gesund bleibe und weiter gut trainieren kann. Aber das geht nur, wenn ich mich damit nicht unter Druck setze, ich muss locker springen können“, erklärte die Kroatin, die von Versuch zu Versuch immer knapper riss. Würden die Regeln einen vierten Versuch erlauben, hätte sie die Höhe vielleicht übersprungen. „Das kann sein, aber es gibt nun mal nur drei Sprünge“, sagte Blanka Vlasic, während ihr Trainer Bojan Marinovic erklärte: „Blanka war beim Absprung wenige Zentimeter zu dicht an der Latte.“ Trotz dieses ,Fehlers’ war die Kroatin so zufrieden war mit ihrer Leistung, dass sie auf der Bahn zu tanzen begann.

Auch das sah Usain Bolt. Und als die Kamera bei der Vorstellung der 200-m-Läufer unter der Begeisterung der Zuschauer auf ihn schwenkte, fügte der Jamaikaner seinem Show-Repertoire eine neue Variante hinzu: Tanzen wie Blanka Vlasic! Meeting-Direktoren, denen es gelingt 2010 beide zu verpflichten, können neben Top-Leistungen auch eine gute Show erwarten.

Auch wenn sich in einigen Disziplinen der späte Saisonzeitpunkt in den Leistungen widerspiegelte, so gab es eine ganze Reihe von sehr guten Ergebnissen in Thessaloniki. Neben zehn Meeting-Rekorden – zum Beispiel 21,07 m von Valerie Vili (Neuseeland) und 22,07 von Christian Cantwell (USA/beide Kugel), 7,08 m von Weitspringerin Brittney Reese (USA) oder 8:30,15 Minuten über 3.000 m von Meseret Defar (Äthiopien), die tags zuvor auch die 5.000 m gewonnen hatte – gehörte dazu auch das Duell zwischen Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) über 100 m, das der Amerikaner in 9,88 Sekunden mit zwei Hundertstelsekunden Vorsprung gewann. Doch für den Höhepunkt sorgte im vorletzten Wettbewerb Carmelita Jeter. Bei der WM noch Dritte hinter Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser (Zweite beim WAF in 10,89) und Kerron Stewart (Dritte in 10,90) stürmte die 29-jährige US-Amerikanerin in Thessaloniki den beiden Jamaikanerinnen nach einem starken Start davon.

Die 10,67 Sekunden, die Carmelita Jeter bei einem minimalen Gegenwind von 0,1 m/s erreichte, sind die schnellsten einer Frau über 100 m seit elf Jahren. Damals lief die später des Dopings überführte Marion Jones (USA) 10,65 – allerdings in Höhenlage und mit 1,1 m/s Rückenwind. Noch schneller war lediglich die dopingverdächtige Weltrekordlerin Florence Griffith-Joyner (USA), die 10,49 und 10,61 sowie 10,62 erreichte. 

„Als ich die Zieluhr sah, bekam ich einen Schock und musste weinen“, erzählte Carmelita Jeter. „Ich konnte es nicht glauben, denn es fühlte sich an wie ein Rennen von 10,9.“ Doch zugetraut hatte sich die Amerikanerin eine solche Zeit. Entscheidend für ihre starke Entwicklung zum späten Saisonzeitpunkt sei ein Trainerwechsel, erklärte die aus Los Angeles stammende Sprinterin. Seit vergangenem November betreut sie John Smith, der früher unter anderen Maurice Greene betreute. „Er hat viel verändert an meinem Sprintstil – das war oft frustrierend. Es ist ein Lernprozess, der immer noch andauert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Rhythmus und das Vertrauen gefunden hatte.“

Elf deutsche Athleten gingen beim WAF an den Start. Dreimal kamen dabei Platzierungen unter den ersten drei heraus. Zum zweiten Mal nach 2006 gewann Betty Heidler (Eintracht Frankfurt) das Hammerwerfen und damit eine Prämier von 30.000 US-Dollar. Der 25-Jährigen reichten in Thessaloniki 72,03 m zum Sieg. „Dass ich eine große Weite verpasst habe, ist kein Problem. Es ging nur um den Sieg“, sagte Betty Heidler, während der im Diskuswerfen zweitplatzierte Robert Harting (SCC Berlin/66,37 m) meinte: „Heute fehlte mir die große Weite.“ Dritte wurde zum Abschluss ihrer Karriere Speerwerferin Steffi Nerius (Bayer Leverkusen) mit 62,59 m.

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